Hände desinfizieren und Abstand halten - inzwischen Routine


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Lindlar - Vor zwei Wochen sind die Nachwuchsfußballer des TuS Lindlar nach der Corona-Zwangspause auf den Sportplatz zurückgekehrt - OA schaute beim Training der B-Jugend vorbei.
Dass die Uhren für die Fußballer des TuS Lindlar zurzeit anders ticken, ist bereits beim Betreten des Volksbank-Parkstadions zu erkennen. Es gibt abgetrennte Ein- und Ausgangskorridore - markiert durch rot-weißes Flatterband und mit Hinweisschildern versehen. Auf einem Tisch befindet sich ein Desinfektionsmittelspender. Die Spieler der B-Jugend trudeln kurz vor dem Trainingsbeginn ein. Sie haben sich zu Hause umgezogen, weil die Umkleidekabinen geschlossen sind. Manche werden von den Eltern gebracht, andere kommen mit dem Fahrrad. Trainer Joel Förster hat auf einer Platzhälfte die erste Übung vorbereitet. Bevor es losgeht, reinigen sich die Kicker gründlich die Hände. Inzwischen Routine. 

Am 7. Mai lockerte die Landesregierung die Vorgaben für den Sport, die Lindlarer reagierten umgehend. Jugendgeschäftsführer Dr. André Vicariesmann hatte im Vorfeld ein Konzept entwickelt, das die Hygiene- und Sicherheitsstandards berücksichtigt und den Neustart trotz der Corona-bedingten Auflagen ermöglicht. Wenige Tage später standen die ersten Juniorenteams auf dem Spielfeld, nachdem die Gemeindeverwaltung grünes Licht gegeben hatte, das Stadion hergerichtet worden war und die Trainer eine spezielle Einweisung erhalten hatten. 

„Die Motivation für uns war, dass die Kinder wieder an der frischen Luft sind und ihre Freunde treffen. Sie waren ja in den letzten zwei Monaten quasi eingesperrt. Vor allem die C-, B- und A-Junioren haben mit den Hufen gescharrt“, sagt Vicariesmann, der ein positives Zwischenfazit zieht. „Die Trainingsbeteiligung ist genauso hoch wie vorher und ich habe bisher keine negative Stimme gehört. Weder von Trainern und Eltern noch von den Kindern. Krankheitsfälle hatten wir nicht. Jeder, der sich nicht wohlfühlt, soll selbstverständlich zu Hause bleiben.“

Wann der Wiedereinstieg in den Spielbetrieb erfolgt, ist derweil offen. Die Saison 2019/2020 wird aller Voraussicht nach abgebrochen. Mit dem Beginn der nächsten Spielzeit ist nicht vor September zu rechnen. Auch deshalb haben sich die TuS-Seniorenteams entschlossen, weiterhin zu pausieren. Die Kleinsten - Bambini und F-Junioren – müssen sich ebenfalls gedulden. Der Aufwand wäre für die Coaches nicht zu stemmen. Wie sollen sie einem Knirps erklären, den Mindestabstand von 1,5 Metern zu den Kameraden einzuhalten? Die Älteren trainieren indes eifrig. Etwa 400 Kinder und Jugendliche sind beim TuS Lindlar, der ab der U15 aufwärts eine Spielgemeinschaft mit Eintracht Hohkeppel und dem SV Linde bildet, aktiv. 

„In der E-Jugend haben wir Gruppen mit jeweils fünf Spielern. Für jede Gruppe ist ein Erwachsener verantwortlich. Es kann sein, dass dann auch mal Mama oder Papa einspringen“, erklärt Vicariesmann. Reicht die „Manpower“ an Übungsleitern und Betreuern nicht aus, werden die Einheiten zeitlich verlängert, um die Richtlinien erfüllen zu können. Anwesenheitslisten sind Pflicht, wobei dies schon vor der Corona-Krise praktiziert wurde. 

Der DFB hat in einem Leitfaden eine Vielzahl von Empfehlungen formuliert. Nicht alle erachtet Vicariesmann als wirklichkeitsnah. „Der Mindestabstand ist sinnvoll, keine Frage. Allerdings fangen wir nicht damit an, Bälle oder Hütchen zu desinfizieren. Man muss, vom virologischen Standpunkt aus gesehen, nicht jeden Blödsinn mitmachen.“ Der promovierte Naturwissenschaftler und Inhaber der Severinus-Apotheke in Lindlar kennt die Materie. Im Rahmen seines Studiums ist er mit Mikrobiologie und der Untersuchung von Viren in Berührung gekommen.

Zwar hat der Jugendvorstand angepasste Übungspläne für die jüngeren Mannschaften erstellt, doch viel hat sich an den Abläufen laut Vicariesmann nicht geändert. „Das Training ist weitestgehend gleich geblieben, nur eben ohne Spielformen, die noch nicht erlaubt sind.“ Darin sieht Joel Förster keinen Nachteil. „Der Wettkampfcharakter ist natürlich nicht da, aber man kann den Fokus stärker auf technikbasierte Inhalte legen, wofür normalerweise weniger Zeit vorhanden ist“, erläutert der 23-jährige Coach. 

Zweikämpfe sind verboten beziehungsweise nach der ab dem 30. Mai gültigen Verordnung des Landes für nicht-kontaktfreie Sportarten lediglich in eingeschränktem Maße möglich (siehe Bericht), dafür stehen zum Beispiel Torschuss-Wettbewerbe oder Fußballtennis-Turniere hoch im Kurs. „So etwas lässt sich jetzt gut einbinden. Hauptsache, die Jungs haben Spaß“, betont Förster. Seine Schützlinge verhalten sich sehr diszipliniert. Ganz selten muss er sie an die Abstandsregelung erinnern.

Die Aktiven freuen sich über die langsame Rückkehr zur Normalität. „Ich habe schnell gemerkt, wie sehr mir der Fußball fehlt“, meint B-Jugend-Kapitän Tim Lamers. Teamkollege Fabian Ley ist froh über die Abwechslung: „Jeder war während der Pause laufen, doch das war nach einer gewissen Zeit ziemlich ätzend.“ Förster trommelt die Akteure zusammen, Lamers und Ley reihen sich im Mannschaftskreis ein - mit ausreichender Entfernung zum Nebenmann. Inzwischen Routine.